4. FUK-Forum Sicherheit in Hamburg

Einsatz gut – Feuerwehrmann tot?

Das FUK-Forum Sicherheit in der Handelskammer Hamburg war voll besetzt und seit Mitte September ausgebucht.

Im Mittelpunkt des vierten FUK-Forums Sicherheit stand die Frage, ob durch Weiterentwicklungen in der Sicherheitstechnik neue Unfallrisiken dadurch entstehen, dass Feuerwehrangehörige – um den Einsatzerfolg zu sichern – den gebotenen Eigenschutz in grober Weise vernachlässigen. „Faktor Mensch versus Faktor Technik?“ lautete die Überschrift des Forums zu dem sich über 250 Fachleute auf Einladung der Feuerwehr-Unfallkassen am 5. und 6. Dezember 2011 in der Handelskammer Hamburg eingefunden hatten.

Präsident Hans Graulich begrüßte die Teilnehmer für die Arbeitsgemeinschaft. Die Aufforderung „Zurück zu den Wurzeln der Prävention und der Unfallverhütung“ zog sich wie ein roter Faden durch die Fachtagung, an der Feuerwehrführer, Sicherheitsingenieure, Aufsichtspersonen der Unfallkassen, Sicherheitsbeauftragte und Entscheidungsträger von Städten und Gemeinden teilnahmen.

Sicherheitstechnik erhöht Risikobereitschaft

Mit dem Input-Referat skizzierte Prof. Dr. Rüdiger Trimpop, Universität Jena, wie technische Entwicklungen Sicherheitsempfindungen und Risikobereitschaft in der Feuerwehr beeinflussen. Mehr gefühlter Schutz könne tatsächlich zu falschem Sicherheitsempfinden und damit zu höherer Risikobereitschaft führen. Oberbrandrat Dr. Markus Pulm, Feuerwehr Karlsruhe, diagnostizierte auf der Grundlage verschiedener Einsatzabläufe, das Menschen Fehler machen, auch bei der Feuerwehr. Beleuchtet wurden auch die verschiedenen Altersgruppen im Unfallgeschehen und der Mythos „Multitasking“. Isabell Bentz von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin untersuchte in ihrem Referat das Verhältnis von Unfallgeschehen und Alter, während Friederike Engst vom IAG in Dresden auf die Belastungen durch „Multitasking“ im Feuerwehreinsatz einging.

Methodik und Didaktik für dieSicherheit

Wie immer, wenn es zu schweren Unfällen gekommen ist, wird der Ruf nach neuen Vorschriften und neuer Ausrüstung laut. Eher seltener wird ein ungeschminkter Untersuchungsbericht vorgelegt, der falsche oder unzureichende Wissensvermittlung oder gar mangelndes Gefahrentraining aufzeigt. Branddirektor Sebastian Vries, Feuerwehr-Akademie Hamburg, referierte über Methodik und Didaktik vom Drill bis zum E-Learning bei der Feuerwehr. Zu diesem Thema passte auch der Vortrag von Prof. Dr. Armin Kibele, Universität Kassel, der sich mit der Fragestellung beschäftigte, ob eigentlich das „ESP“ des Menschen trainierbar sei. In den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte er die Unfallverhütung bei Stolper- Rutsch- und Sturz-Unfällen. Vorher hatte bereits der Obmann des Sachgebiets Feuerwehren und Hilfeleistungsorganisationen der DGUV, Detlef Garz, FUK Mitte, auf den Unfallschwerpunkt SRS hingewiesen und den Teilnehmern des Forums interessante Zahlenbeispiele näher gebracht. Verblüffend war die Tatsache, dass das „gefühlte“ Unfallgeschehen im Feuerwehrbereich von den tatsächlich ermittelten Zahlen erheblich abweicht. Lösungsansätze zu diesem Thema bot Rolf Reich, Aufsichtsperson der FUK Brandenburg, unter der Überschrift „Gefahr erkannt – Gefahr gebannt“ an.

FUK-CIRS: Neue Wege in der Unfallanalyse

Allgemein bekannt ist es unter Fachleuten, dass die Arbeitsunfälle wie ein Eisberg aus dem Wasser ragen. Nicht bekannt sind allerdings die „Beinahe-Unfälle“ oder die „Kritischen Situationen“, bei denen die Beteiligten nur deshalb keinen Unfall davon getragen haben, weil sie „Schwein“ hatten. Für eine zielgerichtete Prävention sind dies allerdings die interessanteren sieben Achtel, der Grauzone Eisberg. Dr. Christoph Niehues vom Institut für Management in der Notfallversorgung (IMN), Münster, stellte die neue Datenbank „Critical Incident Report System“ (CIRS) der Feuerwehr-Unfallkassen vor. Es wird zum Jahreswechsel 2012 ans Netz gehen. Die Berichterstattung über das FUK-Forum Sicherheit „Faktor Mensch vs. Faktor Technik“ wird in der nächsten Ausgabe des FUKDialog fortgesetzt.